Aktionsgruppe Babynahrung e.V.
Mitglied im IBFAN
(International Baby Food Action Network - Träger des alternativen Nobelpreises)

 
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Erinnerungen aus 25 Jahren AGB

von Dr. Thomas Koch


 

Im Jahr 2007 feierte die AGB ihr 25-jähriges Bestehen als Verein. Die Rundbrief-Redaktion hat mich gebeten, aus diesem Anlass ein paar Worte für die AGB-Nachrichten zu schreiben. Eine Bitte, der ich mit großer Freude und schönen Erinnerungen nachkomme.

Genau genommen besteht die AGB schon seit 26 Jahren. Wir fingen nämlich 1981 mit der Arbeit an, doch die Eintragung als Verein erfolgte erst im Jahr darauf. Ich hätte damals nie gedacht, dass die AGB 25 Jahre später noch existieren wird und weiterhin notwendig ist.

Die Anfänge

Mein Engagement für die AGB geht auf das Jahr 1979 zurück, als ich einen 18-monatigen Friedensdienst mit der ASF (Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste) in den USA absolvierte. Dort geriet ich durch Zufall an INFACT (Infant Formula Action Coalition) in Minneapolis (Minnesota), eine Dritte-Welt-Organisation, die 1977 den Nestlé-Boykott ausgerufen hatte.


Protestkinderwagen

1979 war auch das Jahr, als IBFAN (International Babyfood Action Network) in Genf gegründet wurde. So war ich bei INFACT hautnah einerseits an der Organisation des Boykotts, andererseits an der Entwicklung der WHO/UNICEF-Richtlinien beteiligt, die 1981 zur Verabschiedung des WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatz geführt haben. In dieser Zeit wurde das Fundament dafür gelegt, nach meiner Rückkehr nach Deutschland in Göttingen die Aktionsgruppe Babynahrung mitzubegründen.

Der Nestlé-Boykott

Der Nestlé-Boykott in Deutschland war zu jener Zeit noch nicht im Gange, aber unsere Vorgängerorganisation ASÖP (Arbeitsgruppe für sozialökonomische Probleme) hatte Mitte der 70er Jahre wichtige Vorarbeiten geleistet. Die schweizer AgDW (Arbeitsgruppe Dritte Welt) hatte außerdem den englischen Bericht „The Baby Killer" der Gruppe „War on Want" mit dem provokanten Titel „Nestlé tötet Babys" auf Deutsch veröffentlicht.

Nestlé zog daraufhin die Schweizer wegen „übler Nachrede" vor Gericht – mit verheerenden Folgen für das Ansehen der Firma. Sie versuchte damals, auch unsere Öffentlichkeitsarbeit zu behindern, z.B. durch den Versuch, der AGB die Gemeinnützigkeit aberkennen zu lassen. Was zum Glück nicht gelang. Mit der Veröffentlichung unserer „Flaschenpost" und den vielen Anti-Nestlé-Artikeln stießen wir auf große Unterstützung und Beteiligung am Nestlé-Boykott in Deutschland. Durch die internationale Zusammenarbeit im Rahmen von IBFAN war dann auch die internationale Verbreitung des Nestlé-Boykotts in 16 Ländern möglich: 1983 überreichten wir dem Konzern in Vevey (Schweiz) über 100.000 Unterschriften von Menschen, die den Nestlé-Boykott aktiv unterstützen.

Milupa

1984 startete die AGB eine Postkartenaktion, um auf die unseriösen Vermarktungspraktiken der damals deutschen Babynahrungsfirma Milupa aufmerksam zu machen. Höhepunkt war ein öffentlichkeitswirksamer Protestzug durch den Ort Friedrichsdorf, den damaligen Sitz der Konzernzentrale. Tausende von Gratisproben Babynahrung, die mit Hilfe von vielen Müttern und dem Kinderhilfswerk „Terre des Hommes" im Vorfeld gesammelt wurden, wurden der Firma Milupa im wahrsten Sinne des Wortes vor die Tür gekippt.

Alternativer Nobelpreis

In all den Jahren seitdem wurde weiter durch Lobbyarbeit in Genf mit den verantwortlichen Regierungsvertretern an einer Verbesserung der WHO-Empfehlungen zur Vermarktung von Muttermilchersatz gearbeitet.

International fand unsere Arbeit Ende der 90er Jahre durch die Verleihung des alternativen Nobelpreises die Anerkennung, die der unermüdlichen Arbeit von vielen IBFAN-Mitgliedern aus der ganzen Welt gebührte.

Persönlich sehr bewegt hat mich ein Schreiben der Grünen-Mitbegründerin Petra Kelly im Jahr 1992, kurz vor ihrem Tod, in dem sie die Wichtigkeit und Bedeutung der AGB-Arbeit hervorhob.

Neben den realen Erfolgen unserer Arbeit mit sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten hat mich vor allem die Solidarität und die Hingabe vieler IBFAN-Freunde während der vergangenen 25 Jahre begeistert und die Kraft gegeben, mit der AGB weiterhin verbunden zu bleiben.

Die Arbeit heute

In den letzten 10 Jahren wurden die finanziellen Mittel drastisch knapper, sodass jetzt nur noch eine bescheidene Öffentlichkeitsarbeit möglich ist. Doch die Überzeugung, dass jede Mutter das Recht hat, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Kind ernährt, mit dem Wissen über die Vorteile des Stillens, ohne den Einfluss kommerzieller Säuglingsnahrungsfirmen, wird unsere Arbeit auch in Zukunft wichtig erscheinen lassen.

Zum Schluss möchte ich allen Menschen im Namen des Vorstands der AGB danken, die unsere Arbeit unterstützt haben und weiterhin unterstützen werden, insbesondere auch den vielen BüromitarbeiterInnen der vergangenen 25 Jahre.

 

   
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