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Interessenkonflikte

Dass der amerikanische Tabak-Konzern Philipp Morris über Jahre Studien über die Gefahren des Tabakrauchs bezahlt hat, die entsprechend genehme Ergebnisse erbrachten, ist inzwischen lange bekannt. Dass die verantwortlichen Wissenschaftler ihre Honorare aus diesen Studien vor den Behörden und der Fachwelt verheimlichten, kam bei der Gelegenheit gleich mit raus.

Wie weit derartige Verflechtungen in der wissenschaftlichen Welt verbreitet sind, hat kürzlich eine Arbeitsgruppe um Prof. Lennart Hardell von der Universitätsklinik Örebro in Schweden in einer Überblicksstudie untersucht und zusammengefasst. Grundlage dafür waren allein öffentlich zugängliche Quellen wie Zeitungen, Websites, Universitätsberichte usw. Wirklich Erstaunliches hat diese Studie zwar nicht ergeben – denn das Fazit ist, dass Bestechlichkeit offenbar allenthalben grassiert.

Man hört nur zuwenig von so etwas, auch wenn diese Berichte und Nachrichten alle öffentlich sind. Gerade einmal die äußerste Spitze dieses Eisbergs kommt wirklich vor ein großes Publikum. Zum Beispiel die kürzlich erschienene Meldung, dass die Schwarzgeldkassen bei Siemens nahezu dreimal so voll waren oder sind, wie bisher angenommen: Inzwischen ist nicht mehr von rund 500 Millionen Euro die Rede, sondern von 1,3 Milliarden.

Solche Zahlen legen den Schluss nahe, dass an diesen Gschäfterln viele Leute beteiligt sind. Die Studie der schwedischen Wissenschaftler kommt dabei unter anderem zu dem Schluss, dass außer den zahlenden Firmen und den gekauften Gutachtern auch das Personal der Redaktionen von Fachzeitschriften und deren Marketingabteilungen in derartig gelenkten Veröffentlichungen ihre Finger haben, etwa indem sie Forschungsartikel unterdrücken, die im Gegensatz zu den Interessen der Wirtschaft stehen.

Das scheint ein Artikel zu bestätigen, der im September im „British Medical Journal" erschien. Allerdings beleuchtet der Arzt und Journalist Ben Goldacre darin eher die Zunft der Journalisten, die für die freie Presse arbeiten. Goldacre kommt zu dem Ergebnis, dass in Großbritannien rund 50% der (meist freiberuflich tätigen) Fachjournalisten nebenbei Geschenke, Vergünstigungen und auch Bezahlung von Konzernen annehmen. Der Verdacht, dass deren Artikel, zum Beispiel über Tests neuer Produkte, dann mit einiger Wahrscheinlichkeit etwas freundlicher ausfallen, als sie vielleicht sollten, liegt auf der Hand. Zumal sich auf diese Weise eine Möglichkeit ergibt, gleich zweimal zu kassieren: Vom Konzern und von der Zeitung, die einen Artikel ankauft.

In Deutschland warnen Organisationen wie Transparency International und die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche seit langem vor den Gefahren, die der (wirklich) freien Presse durch zu nahen Kontakt mit PR-Abteilungen und Pressestellen drohen. Allein das Anzeigengeschäft sorgt ja heute schon dafür, dass die Zeitungen unter enormem Druck der Wirtschaft stehen. Da wird ein kritischer Artikel über einen wichtigen Anzeigenkunden dann auch schon mal weggelassen.

In der Kritik steht dabei häufig genug die Abgabe von kostenlosen Presse-Exemplaren eines Produkts zu Testzwecken, wie etwa Computer und Programme oder Handys . Wer als Computerjournalist ein neues Programm aber selbst ausprobieren möchte, um darüber zu schreiben, ist auf solche Überlassungen allerdings angewiesen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden – kritisch wird es aber, wenn die freundlichen Gaben darüber hinaus gehen.

Der Brite Goldacre berichtet in seinem Artikel zum Beispiel davon, dass Berichterstatter von medizinischen und pharmazeutischen Kongressen nahezu selbstverständlich von den PR-Abteilungen der Konzerne mit Fahrtkostenübernahme, kostenloser Unterbringung und luxuriösen Diners „umsorgt" werden.