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Aktionsgruppe Babynahrung e.V. (AGB)
Mitglied von IBFAN
(International Baby Food Action Network, Träger des Right
Livelihood Award 1998)
2001 durch die La Leche
Liga Deutschland ausgezeichnet
STILLEN
IST MENSCHENRECHT
Pressemitteilung
Babynahrungsfirmen verstoßen in ungeheurem Ausmaß
gegen den Internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten
Das Internationale Kodex
Dokumentationszentrum in Penang hat seinen neuen Bericht: "Breaking the
Rules 2004" im Mai veröffentlicht. 3.000 Verstöße aus 69 Ländern
wurden gemeldet und geprüft. Manche Belege waren Einzelbeweise, viele
Verstoßmeldungen gingen hundertfach ein, viele Bilder wurden per E-Mail
eingesandt. Mehr als 2.000 Verstöße haben in den neuen Bericht Eingang
gefunden.

Der Bericht umfasst 96 Seiten und enthält 712 Fotos. 16 Hersteller von
künstlicher
Babynahrung sind aufgeführt, außerdem 14 Hersteller von Flaschen und
Saugern. Der Bericht lenkt außerdem das Augenmerk auf das zunehmende
Sponsoring von Tagungen und Kongressen und die Unterstützung von
Fachgesellschaften. Verbreitet sind auch Baby-Klubs, Eltern-Klubs und
Internetforen, um werdende und frischgebackene Eltern zu erreichen. Hier
wird das komplette Firmenangebot angepriesen, von Vitaminen für Schwangere
über Säfte für Stillende bis hin zu Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen
und Beikost. Der Kodex verbietet die Kontaktaufnahme mit Müttern; durch das
Institut der Klubs können die Firmen aber argumentieren, dass die Mütter
Kontakt mit Ihnen aufnehmen.
Die wichtigsten Ergebnisse:
Gesundheitspersonal und Krankenhäuser
bleiben weiterhin die wichtigsten Verbindungen der Hersteller zu den Müttern.
Unternehmen verstoßen gegen die Forderung des Internationalen Kodex, dass
sich Informationen für Gesundheitspersonal auf wissenschaftlichen Fakten
beschränken sollen. Firmen versuchen das ausschließliche Sillen in den
ersten sechs Monaten zu untergraben, indem sie zahllose Produkte als
geeignet ab einem Alter von 3 bis 4 Monaten vermarkten. Noch immer gibt es
Sonderangebote und Gratisproben! Hersteller versuchen ihre Produkte durch
eine Reihe von Zusätzen zu profilieren, damit sie sich von den Produkten
anderer Firmen unterscheiden. Die postulierten Vorteile sind reine
Werbebehauptungen, die vorgeblichen Wirkungen sind nicht bewiesen. Die
Weltgesundheitsorganisation hat den Internationalen Kodex zur Vermarktung
von Muttermilchersatznahrung 1981 verabschiedet. Dieser Mindeststandard soll
von allen Regierungen übernommen werden. Artikel 11.3 besagt, dass
Hersteller und Händler den Kodex auch unabhängig von nationalen Gesetzen
befolgen müssen. Nachfolgende Resolutionen beseitigen Unklarheiten bei der
Interpretation des Kodex und tragen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen
Rechnung. Für Kinder, die nicht 6 Monate vollgestillt werden, steigt das
Risiko für folgende Erkrankungen:
um 40 % für Diabetes Typ 1
um 25 % für Übergewicht
um 60 % für Mittelohrentzündungen
um 30 % für Leukämie
um 100 % für Durchfall
um 250 % für Krankenhausaufenthalte in Folge von Atemwegserkrankungen wie
Asthma
und Lungenentzündungen.
Der Bericht: Breaking the Rules 2004 liegt nur in
englischer Sprache vor und ist zum Preis von Euro 13,- bei der Aktionsgruppe
Babynahrung erhältlich.
Eine Welt in der
Schule: Babynahrung - ein Thema für die Schule?
Die
AGB hat im Rahmen eines von der Europäischen Kommission geförderten
Projekts gemeinsam mit anderen Trägern eine Unterrichtseinheit zum Thema Säuglingsernährung
erstellt. Dabei ging es vor allem um die Bearbeitung des Problemkreises der
Babynahrung und der damit verknüpften unethischen Vermarktungspraxis der führenden
Hersteller von Babynahrung und anderen so bezeichneten
Muttermilchersatzprodukten auf der einen und die Vorzüge und die Förderung
des Stillens auf der anderen Seite.
Beim Entwurf der Einheit wurde großer Wert auf die Anknüpfungspunkte
für die "jungen Erwachsenen" gelegt: wachsender Stellenwert der
Sexualität, Erfahrungen in der eigenen Familie mit Stillen bzw. künstlicher
Babynahrung sowie das Heranführen an die Zusammenhänge zwischen künstlicher
Säuglingsnahrung, den Vermarktungsinteressen der Industrie und den
Gegebenheiten in den sich entwickelnden Ländern.
Die Beschreibungen der Erfahrungen aus zwei "Probeläufen"
in zwei höheren Klassen der Sekundarstufe I sind im März beim Projekt Eine
Welt in der Schule der Universität Bremen erschienen, das das
Unterrichtsvorhaben maßgeblich pädagogisch betreute. Aufbau und Inhalt der
Unterrichtseinheit profitiert dabei wesentlich von den Erfahrungen, die
LehrerInnen mit dem entworfenen Lehrmaterial machten. Über das Bremer
Projekt kann die vollständige Einheit mit dem dazugehörigen Material
ausgeliehen werden.
Zum "Schnuppern" ist das genannte Heft zum
Preis von 2,60 €
bei der AGB zu beziehen.
Verstöße gegen den
Internationalen Kodex

Die Dokumentation "Verstöße gegen den Internationalen
Kodex" ist bei der
Aktionsgruppe Babynahrung gegen eine
Unkostenbeteiligung von 4,50
€ (plus Porto) erhältlich.
Die TOP TEN aus
Verstöße gegen den Internationalen Kodex
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| 1 |
Die
Gesundheitseinrichtungen bleiben weiterhin die am häufigsten
benutzte und effizienteste Einfallstraße der Firmen, um Mütter zu
erreichen.
Die Firmen gehen davon aus, ihre Werbeausgaben durch
Verkäufe wieder einspielen zu können, wenn die Mütter das
Krankenhaus verlassen haben. Zum Beispiel haben mindestens vier
Firmen in Taiwan Verträge mit Krankenhäusern, denen sie für jeden
gefütterten Säugling US $ 25 - 30 für das Privileg zahlen,
Exklusivlieferant von Säuglingsnahrung sein zu können! In den
Gesundheitseinrichtungen erhalten Mütter Werbematerialien wie
Broschüren und Prospekte über Säuglingsernährung, Gratisproben
und Geschenke wie Autoaufkleber, Baby-Untersuchungshefte, Coupons,
Flaschenhalter und Handtücher. Die Namen der Firmen oder sogar die
Markennamen erscheinen auf Postern, Uhren und Kalendern. Häufig
sind Firmen- und Markenname identisch.
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| 2 |
Nahezu
alle Firmen, die in diesem Bericht vorkommen, versorgen die
Gesundheitseinrichtungen mit Gratislieferungen.
Tatsächlich registriert die Untersuchung eine alarmierende
Renaissance der Spenden in Form von Gratislieferungen von Anfangs-
und Folgenahrung sowie weiterer Babynahrung, z.B. Getreidebrei.
Kostenlose oder verbilligte Lieferungen werden manchmal von den
Einrichtungen angefordert, aber viel häufiger als das sind sie
unerbetene Spenden. Die Gepflogenheit, den in Rechnung gestellten
Betrag nicht einzufordern, wird von verschiedenen Firmen angewandt.
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| 3 |
Nahezu
alle Firmen überlassen dem Gesundheitspersonal Gratisproben.
Die Proben werden an Mütter
weitergereicht, dies erweckt den Anschein einer medizinischen
Empfehlung. Da Proben heutzutage in handelsüblichen Einheiten
verteilt werden, führt die Flut von Proben manchmal zu wahren
Schiebereien zwischen Gesundheitseinrichtungen und Geschäften.
Mitarbeiter des Gesundheitswesens verkaufen die Proben an
Geschäfte, die diese wiederum unter Marktpreis an die Kunden
weiterverkaufen und dabei einen (un)gesunden Profit herausschlagen.
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| 4 |
Die
an das Gesundheitspersonal gerichtete Werbung erreicht häufig auch
die Mütter. Viele Mütter
erwarten vom Gesundheitspersonal objektive Ratschläge, erhalten
häufig jedoch Werbematerial, das vorgeblich für das
Gesundheitspersonal gedruckt wurde. Einige Firmen versorgen das
Gesundheitspersonal mit Materialien, die speziell für Mütter
ausgearbeitet sind. Geschenke an das medizinische Fachpersonal
zielen darauf, sie an die Firma, deren Markennamen und deren
Großzügigkeit zu erinnern. Zu diesen Geschenken gehören
Schreibgeräte, Notizblöcke, Schokoladen, Wand- und Tischkalender,
Poster und vieles mehr. Eine Firma versorgte einen amerikanischen
Arzt mit frischem Heilbutt! Auch kleine Geschenke sind dafür
bekannt, Loyalität und Wohlwollen gegenüber einer Firma zu
begründen, die herrschende Praxis der Kostenübernahme von Reisen
und Forschung einmal ganz außer Acht gelassen. |
| 5 |
Werbematerial
wie Magazine, Faltblätter und Broschüren werden Müttern über
Geschäfte, Gesundheitseinrichtungen oder durch die Post zugänglich
gemacht. Unter dem Vorwand,
das Stillen zu fördern, enthalten diese Materialien oft falsche
Informationen zum Stillen und unrichtige Bilder. Sie sind
sorgfältig entworfen, um bei den Müttern Zweifel zu sähen, ob sie
tatsächlich stillen können.
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| 6 |
Mindestens
sieben Babynahrungshersteller benutzen Babyklubs als eine Strategie,
um mit Müttern in Kontakt zu kommen und ihre Produkte zu
verbreiten. Für
diese Babyklubs wird in Magazinen, auf Flugblättern, über
persönliche Kontakte und auf Etiketten geworben. Die Mütter, die
Mitglied geworden sind, bekommen Geschenke, Gratisproben von
Milchpulver und Beikost sowie Rabattmarken. Die Mitgliedsadressen
geben den Herstellern leichten Zugriff auf die Mütter im ganzen
ersten Lebensjahr.
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| 7 |
Das
Internet öffnet mehreren Firmen die Tür zum weltweiten Markt.
Ergänzend zur Werbung auf ihren eigenen Websites sponsern einige
Hersteller die Homepage einer öffentlichen, gesundheitsbezogenen
Seite oder die Seiten von Ärzten, von wo aus direkte Links die
Besucher auf die Seiten der Herstellerfirmen führen. Die Links auf
den Seiten von Ärzten und deren Interessenvertretungen zu den
Herstellern erhöhen nicht nur die Anzahl der Nutzer, sondern
verleihen den angebotenen Produkten auch noch den Anstrich einer
medizinischen Empfehlung.
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| 8 |
Keiner
der hier aufgeführten Hersteller erfüllt vollständig die Vorgaben
des Internationalen Kodex zur Etikettierung.
Wenigstens drei Firmen verwenden Etiketten mit Fotos oder
Abbildungen, die Muttermilchersatznahrung idealisieren. Viele
Aufschriften vergleichen das Produkt mit Muttermilch oder stellen
unbewiesene gesundheitsbezogene Behauptungen auf. Etiketten sind
für viele Frauen die einzige Informationsquelle über die
künstliche Babynahrung. Dennoch sind in einigen Ländern die
Aufschriften in Fremdsprachen verfasst. Die Verpackungen von
Folgemilch-Produkten mehrerer Firmen gleichen den Verpackungen der
Anfangsnahrung desselben Herstellers. Reklame für Folgenahrung
wirbt so gleichzeitig für Anfangsnahrung. (Dies ist dort von
Vorteil wo Werbung für Anfangsnahrung verboten ist, Werbung für
Folgenahrung jedoch nicht). Außerdem stellt dies ein gefährliches
Verwirrspiel für die Kunden dar.
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| 9 |
Die
alarmierende Produktvielfalt führt sowohl beim Gesundheitspersonal
als auch bei Müttern zur Verwirrung:
Bei der Erhebung ist eine endlose Produktpalette von
Spezialnahrungen gefunden worden, die für sogenannte
allergiegefährdete Babys und Speikinder angeboten werden. Letztere
Nahrungen sind gewöhnlich angedickte Anfangsnahrungen, die
nachgewiesenermaßen eine negative Auswirkung auf das Wachstum von
Säuglingen haben. Eine andere neue Entwicklung ist der
Marktauftritt von wesentlich preisgünstigeren No-Name-Produkten,
die den Verkauf sehr stark ankurbeln können. |
| 10 |
Die
gesammelten Beweise zeigen eine systematische Nicht-Beachtung des
Kodex. Hersteller müssen den
Kodex achten, und es kann keine Entschuldigung für Verstöße
geben. Die Zahl der Verstöße war in denjenigen wohlhabenden
Ländern am größten, in denen es keine Werbebeschränkungen gibt
und in denen ein scharfer Wettbewerb herrscht.
IBFAN ist entschlossen, dafür zu sorgen, dass
der Kodex weltweit als Mindeststandard übernommen wird. Wir hoffen,
dass diese Publikation den öffentlichen Blick dafür schärft,
welchen Bedrohungen das Stillen ausgesetzt ist und möchten noch
mehr engagierte Bürger dazu anregen, sich an der Überwachung des
Internationalen Kodex zu beteiligen.
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