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Die Gesundheitseinrichtungen bleiben weiterhin die am häufigsten benutzte und effizienteste Einfallstraße der Firmen, um Mütter zu erreichen. Die Firmen gehen davon aus, ihre Werbeausgaben durch Verkäufe wieder einspielen zu können, wenn die Mütter das Krankenhaus verlassen haben. Zum Beispiel haben mindestens vier Firmen in Taiwan Verträge mit Krankenhäusern, denen sie für jeden gefütterten Säugling US $ 25 - 30 für das Privileg zahlen, Exklusivlieferant von Säuglingsnahrung sein zu können! In den Gesundheitseinrichtungen erhalten Mütter Werbematerialien wie Broschüren und Prospekte über Säuglingsernährung, Gratisproben und Geschenke wie Autoaufkleber, Baby-Untersuchungshefte, Coupons, Flaschenhalter und Handtücher. Die Namen der Firmen oder sogar die Markennamen erscheinen auf Postern, Uhren und Kalendern. Häufig sind Firmen- und Markenname identisch.
Nahezu alle Firmen, die in diesem Bericht vorkommen, versorgen die Gesundheitseinrichtungen mit Gratislieferungen. Tatsächlich registriert die Untersuchung eine alarmierende Renaissance der Spenden in Form von Gratislieferungen von Anfangs- und Folgenahrung sowie weiterer Babynahrung, z.B. Getreidebrei. Kostenlose oder verbilligte Lieferungen werden manchmal von den Einrichtungen angefordert, aber viel häufiger als das sind sie unerbetene Spenden. Die Gepflogenheit, den in Rechnung gestellten Betrag nicht einzufordern, wird von verschiedenen Firmen angewandt.
Nahezu alle Firmen überlassen dem Gesundheitspersonal Gratisproben. Die Proben werden an Mütter weitergereicht, dies erweckt den Anschein einer medizinischen Empfehlung. Da Proben heutzutage in handelsüblichen Einheiten verteilt werden, führt die Flut von Proben manchmal zu wahren Schiebereien zwischen Gesundheitseinrichtungen und Geschäften. Mitarbeiter des Gesundheitswesens verkaufen die Proben an Geschäfte, die diese wiederum unter Marktpreis an die Kunden weiterverkaufen und dabei einen (un)gesunden Profit herausschlagen.
Die an das Gesundheitspersonal gerichtete Werbung erreicht häufig auch die Mütter. Viele Mütter erwarten vom Gesundheitspersonal objektive Ratschläge, erhalten häufig jedoch Werbematerial, das vorgeblich für das Gesundheitspersonal gedruckt wurde. Einige Firmen versorgen das Gesundheitspersonal mit Materialien, die speziell für Mütter ausgearbeitet sind. Geschenke an das medizinische Fachpersonal zielen darauf, sie an die Firma, deren Markennamen und deren Großzügigkeit zu erinnern. Zu diesen Geschenken gehören Schreibgeräte, Notizblöcke, Schokoladen, Wand- und Tischkalender, Poster und vieles mehr. Eine Firma versorgte einen amerikanischen Arzt mit frischem Heilbutt! Auch kleine Geschenke sind dafür bekannt, Loyalität und Wohlwollen gegenüber einer Firma zu begründen, die herrschende Praxis der Kostenübernahme von Reisen und Forschung einmal ganz außer Acht gelassen.
Werbematerial wie Magazine, Faltblätter und Broschüren werden Müttern über Geschäfte, Gesundheitseinrichtungen oder durch die Post zugänglich gemacht. Unter dem Vorwand, das Stillen zu fördern, enthalten diese Materialien oft falsche Informationen zum Stillen und unrichtige Bilder. Sie sind sorgfältig entworfen, um bei den Müttern Zweifel zu sähen, ob sie tatsächlich stillen können.
Mindestens sieben Babynahrungshersteller benutzen Babyklubs als eine Strategie, um mit Müttern in Kontakt zu kommen und ihre Produkte zu verbreiten. Für diese Babyklubs wird in Magazinen, auf Flugblättern, über persönliche Kontakte und auf Etiketten geworben. Die Mütter, die Mitglied geworden sind, bekommen Geschenke, Gratisproben von Milchpulver und Beikost sowie Rabattmarken. Die Mitgliedsadressen geben den Herstellern leichten Zugriff auf die Mütter im ganzen ersten Lebensjahr.
Das Internet öffnet mehreren Firmen die Tür zum weltweiten Markt. Ergänzend zur Werbung auf ihren eigenen Websites sponsern einige Hersteller die Homepage einer öffentlichen, gesundheitsbezogenen Seite oder die Seiten von Ärzten, von wo aus direkte Links die Besucher auf die Seiten der Herstellerfirmen führen. Die Links auf den Seiten von Ärzten und deren Interessenvertretungen zu den Herstellern erhöhen nicht nur die Anzahl der Nutzer, sondern verleihen den angebotenen Produkten auch noch den Anstrich einer medizinischen Empfehlung.
Keiner der hier aufgeführten Hersteller erfüllt vollständig die Vorgaben des Internationalen Kodex zur Etikettierung. Wenigstens drei Firmen verwenden Etiketten mit Fotos oder Abbildungen, die Muttermilchersatznahrung idealisieren. Viele Aufschriften vergleichen das Produkt mit Muttermilch oder stellen unbewiesene gesundheitsbezogene Behauptungen auf. Etiketten sind für viele Frauen die einzige Informationsquelle über die künstliche Babynahrung. Dennoch sind in einigen Ländern die Aufschriften in Fremdsprachen verfasst. Die Verpackungen von Folgemilch-Produkten mehrerer Firmen gleichen den Verpackungen der Anfangsnahrung desselben Herstellers. Reklame für Folgenahrung wirbt so gleichzeitig für Anfangsnahrung. (Dies ist dort von Vorteil wo Werbung für Anfangsnahrung verboten ist, Werbung für Folgenahrung jedoch nicht). Außerdem stellt dies ein gefährliches Verwirrspiel für die Kunden dar.
Die alarmierende Produktvielfalt führt sowohl beim Gesundheitspersonal als auch bei Müttern zur Verwirrung: Bei der Erhebung ist eine endlose Produktpalette von Spezialnahrungen gefunden worden, die für sogenannte allergiegefährdete Babys und Speikinder angeboten werden. Letztere Nahrungen sind gewöhnlich angedickte Anfangsnahrungen, die nachgewiesenermaßen eine negative Auswirkung auf das Wachstum von Säuglingen haben. Eine andere neue Entwicklung ist der Marktauftritt von wesentlich preisgünstigeren No-Name-Produkten, die den Verkauf sehr stark ankurbeln können.
Die gesammelten Beweise zeigen eine systematische Nicht-Beachtung des Kodex. Hersteller müssen den Kodex achten, und es kann keine Entschuldigung für Verstöße geben. Die Zahl der Verstöße war in denjenigen wohlhabenden Ländern am größten, in denen es keine Werbebeschränkungen gibt und in denen ein scharfer Wettbewerb herrscht.
Die IBFAN ist entschlossen, dafür zu sorgen, dass der Kodex weltweit als Mindeststandard übernommen wird. Wir hoffen, dass diese Publikation den öffentlichen Blick dafür schärft, welchen Bedrohungen das Stillen ausgesetzt ist und möchten noch mehr engagierte Bürger dazu anregen, sich an der Überwachung des Internationalen Kodex zu beteiligen.
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