Die AGB verbindet... verstreute Informationen miteinander - beispielsweise die Untersuchung von Kohlmeier (1993) mit der Studie von Kries (1999). Erstere beziffert die Folgekosten von Übergewicht im deutschen Gesundheitswesen auf DM 113 Milliarden im Jahr, die zweite stellt fest, dass gestillte Kinder zu 35% weniger an Übergewicht leiden als nicht gestillte. Kries schlussfolgert, dass die Vermeidung von Übergewicht und dessen Folgen einen enormen Schub für die Stillförderung in den industrialisierten Ländern zur Folge haben müsste. In Großbritannien müssen jährlich DM 100 Millionen aufgewendet werden, um auf künstliche Säuglingsnahrung zurückzuführende Magen-/Darmerkrankungen zu kurieren.
Die AGB deckt auf... wenn aktuelle Entwicklungen am Markt und Strategien der Industrie gegen die rechtlichen Vorschriften verstoßen. Nicht immer fügt sich die Situation so glücklich wie 1999, als ein ehemaliger Nestlé-Mitarbeiter aus Pakistan mit über 80 Dokumenten belegen konnte, wie hierarchisch abgestuft das System von Bestechungen des Gesundheitspersonals Nestlé-intern geregelt ist. Von uns erfahren Sie z. B., dass die Firma Hipp in ihrem Kupferskandal die Öffentlichkeit mit geschönten Zahlen ruhigstellt. Die seinerzeit zurückgerufenen Chargen von HA1-Nahrung enthielten das Neunfache des von Hipp angegebenen Wertes an Kupfer, einem Lebergift - besonders für Säuglinge, und lagen damit fünf- bis sechsmal über dem zulässigen EU-Höchstwert.
Die AGB sorgt für Transparenz... in den verflochtenen Beziehungen zwischen überstaatlichen und staatlichen Einrichtungen und den Interessen der Industrie. Unlängst ist es gelungen, die Interessenskonflikte wissenschaftlicher Berater der EU zu thematisieren und die EU dazu zu bewegen, zukünftig diese Konflikte regelmäßig zu veröffentlichen. Intensive Arbeit über Brandbriefe haben dafür gesorgt, dass zumindest ein fragwürdiges Projekt der Vereinten Nationen (Zusammenarbeit des Weltentwicklungsprogramms UNDP mit der Privatwirtschaft) gestoppt werden konnte.
Die AGB baut auf Zusammenarbeit... z. B. mit dem Bundesgesundheitsministerium. Dieses wurde von uns darüber informiert, dass Nestlé versucht in der Weltöffentlichkeit seine angebliche Kodexkonformität durch die deutsche Regierung mit unzutreffenden Papieren zu belegen. Das Bundesgesundheitsministerium hat daraufhin gegen Nestlés PR-Strategien Protest eingelegt.
Die AGB ist präsent... wenn in Gremien fernab der Öffentlichkeit über die Standardisierung von Nahrungsmitteln gefeilscht wird. Die Codex Alimentarius-Kommission, eine gemeinsame Einrichtung von WHO und FAO, soll laut Auftrag u. a. internationale Standards für den Gesundheitsschutz der VerbraucherInnen setzen. In der Praxis bestimmen jedoch z. B. in den Beratungen über Mineral- und Tafelwässer die Vermarktungsinteressen der Vertreiberfirmen das Verfahren. Es wird versucht die von der WHO gesetzten Grenzwerte für Trinkwasser im angestrebten Standard im Herstellerinteresse zu überschreiten, damit Märkte abgesichert und ausgeweitet werden können. Der exklusive Tagungsort in Fribourg/Schweiz erschwert Interessierten aus kleineren Ländern des Südens von vornherein die Teilnahme, man ist sozusagen unter sich. Die AGB ist zur Zeit die einzige Stimme in diesem Gremium, welche die Interessen der VerbraucherInnen vertritt.
Die AGB macht Druck... damit Stillen als Recht der Mütter und als wesentlicher Beitrag zur Verwirklichung der Rechte des Kindes auf Ernährung, Gesundheit und Pflege als grundlegende Menschenrechte in der "Charta der Grundrechte der Europäischen Union" festgeschrieben werden.
Die AGB sorgt für Öffentlichkeit... wenn abseits der zivilen Öffentlichkeit von interessierter Seite die Vereinten Nationen zu einem "Global Compact" genannten Sponsoringvertrag mit transnationalen Wirtschaftsunternehmen verpflichtet werden sollen.
Die AGB bezieht Stellung... wenn wieder einmal die Interessen der Säuglingsgesundheit gegenüber denjenigen von Kapital und Markt zurückgedrängt werden sollen - sei es beim Codex Alimentarius, der Weltgesundheitsversammlung, bei der 50. WHO-Europatagung zum Ernährungsaktionsplan für die europäische Region, der Initiative Stillfreundliches Krankenhaus oder bei Kooperationen zwischen Geburtseinrichtungen und Herstellern.
Die AGB baut auf Zusammenarbeit... z. B. mit Partnern in Indien und Mexiko. Ein Projekt der AGB soll die Auswirkungen globalisierter Vermarktung auf die Teilhabe der Menschen an Verbraucherschutz- und Gesundheitsgesetzgebung, auf die lokale Sozialökonomie, den Zugang zu öffentlichem Trinkwasser und auf weitere Bedingungen für sichere und gesunde Lebensgrundlagen untersuchen und unsere Verantwortlichkeiten als Bewohner der Industriestaaten benennen.
Die AGB kann mit Erfolgen aufwarten... wenn wir über die pakistanische Dokumentation, über Abmahnungen von Milupa durch die zuständige hessische Aufsichtsbehörde, über die Festschreibung der von der WHO gesetzten Trinkwasser-Grenzwerte für Mineralwässer, über die Initiative des Bundesgesundheitsministeriums gegenüber Nestlé oder über die Offenlegung möglicher Interessenskonflikte der wissenschaftlichen Komitees der EU berichten können. |